Laurent Pernice & Dominique Beven – Le Corps Utopique

La musica di questo album è stata concepita per una performance basata sui testi di Foucault. Sotto la direzione del compositore Laurent Pernice, troviamo Dominique Beven il quale, attingendo a strumenti a fiato provenienti da tutto il mondo improvvisa dando plastica sostanza all’idea del respiro e di quella panopticon, intesa come metafora di un potere invisibile assai care al filosofo francese. Brani diversi ove l’affabulazione, la foné, diventano ora poliritmiche lingue, ora riflessive intuizioni alludendo arcana pangea: brani che sincretizzano differenti semantiche in un’intelligente musica senza confini.

Massimo Marchini (Rockerilla) Maggio 2022

 

 

It’s unclear who said ‘Writing about music is like dancing about architecture’, but I was thinking about it, as the music here is to be used in a choreographic dance of a radio lecture by French philosopher Michel Foucault. I have no idea what the radio lecture is about. Laurent Pernice was invited to compose the music, and since it deals with words and thus breath, he chose wind instruments for the music, inviting Dominique Beven to play a variety of those; Irish flutes, alto clarinet, bass recorder, ocarina, Khen, a diatonic accordion and much more. Pernice uses sound effects and adds flute sounds on one piece and double bass, bullroarer, and trombone on the next. There are fifteen pieces in total, and there is, perhaps, thanks to the variety of instruments, also a great variety in the music. There is some great pacing here, with none of these pieces overtly long, usually between two and four minutes. There is, luckily, no spoken word here, as I would think that would distract from the music too much, and as such, the music is to be enjoyed by itself. Beven sometimes has a slightly more improvised feeling, such as ‘L’instant D’après‘. Still, he mostly goes for a more sustaining sound, a drone-like approach, which Pernice enhances with his sound effects, creating vast spaces full of melancholy, drama, and atmospheres. I have no idea what Foucault says in his radio lecture, nor what the dance looks like. I severe myself from all of that, and the French titles remain untranslated as far as I am concerned and, perhaps very post-modern, take the music at face value. This album is a meeting point of improvisation, musique concrète, of ambient, ranging from wild to reflective, from cheerful to sad. At least, that’s how I perceived it. Whichever piece ends up in the podcast, it may not reflect the overall variety on offer, just a glimpse.

Frans de Waard (Vital Weekly 1332)

 

 

The exquisite work here has a strange origin: Le Corps Utopique soundtracks a dance work performed by Emma Gustafsson and conceived along with Laurent Hatat, itself based (somehow) on Michel Foucault’s lecture of that name. Multi-tracked wind instruments performed primarily by Dominique Beven are manipulated, both subtly and radically by Laurent Pernice‘s electronics. Tongue taps and breaths flutter, strange chords wheeze and sigh, otherworldly and beautiful.

Utility Fog (FBi Radio – Sydney 94.5) 24/04/2022

 

 

Deux aborigènes du sud de la France ont soudainement envahi mon salon. De quel rituel étais-je le témoin? Jouant des anches et des becs, Dominique Beven a composé des plages magiques que Laurent Pernice a traité électroniquement. Emma Gustafsson, danseuse seule en scène, et Laurent Hatat de la compagnie Anima Motrix ont adapté la conférence radiophonique de Michel Foucault sur Le corps utopique, mais cela on ne le voit pas, on le pressent seulement parce que cela passe par les vibrations du nôtre, sa nudité révélatrice de quelque chose de fantastique.

Jean-Jacques Birgé (www.Drame.org) 20/04/2022

 

 

Ende des Monats erscheint unter dem Titel “Le Corps Utopique” ein Tanzscore, den der französische Komponist Laurent Pernice zusammen mit dem Mehrfachinstrumentalisten Dominique Beven entwickelt hat. Das zugrundeliegende Stück wurde vom Direktor der Anima Motrix Company, Laurent Hatat, für eine Solo-Performance der Tänzerin Emma Gustafsson konzipiert und basiert auf den Ausführungen des Philosophen Michel Foucault in seiner gleichnamigen Vorlesung. Vielleicht um dem mündlich-sprachlichen Charakter der Textpräsentation Rechnung zu tragen entschied sich Pernice für eine überwiegend auf Bläserklängen basierende – und somit atembasierte – Musik und ließ den Multiinstrumentalisten Dominique Beven eine ganze Reihe an Blasinstrumenten in die 15 Abschnitte des Soundtracks einbringen: Im improvisierten Spiel der irischen Flöte, des Khen aus Laos, der armenischen Bass-Duduk, des diatonischen Akkoreons, der südamerikanischen Moceño und verschiedenen Ocarinas und zusammen mit der durch Pernice vorgenommenen elektronischen Bearbeitung entsteht ein kalaidoskopisches Mosaik an Sounds, die trotz ihrer Reminsiszenz an unterschiedliche Weltmusik dem Tanz einen ganz eigenen Raum geben. Der Sounbdtrack erscheint als Album auf CD bei ADN Records.

African Paper 9/04/2022

 

 

Unter den Fingern des Anderen, die über den Körper gleiten, beginnen alle unsichtbaren Teile des Körpers zu existieren. An den Lippen des Anderen werden die eigenen Lippen spürbar. Vor seinen halb geschlossenen Augen erlangt das eigene Gesicht Gewissheit. Endlich ist da ein Blick, der die geschlossenen Lider zu sehen vermag. Wie der Spiegel und der Tod, so besänftigt auch die Liebe die Utopie des Körpers, lässt sie verstummen, sperrt sie gleichsam in einen Kasten, den sie verschließt und versiegelt… Eine erstaunliche Volte, wie schnell Foucaults Le Corps Utopique (DNN 033 C) im Sarg endet. Dass Emma Gustafsson, einschlägig bekannt für ihren “Sacre”-Nackttanz, dazu als Barfuß-bis-zum-Hals-Salome den Geist Jochanaans beschwört, hat nicht nur darin seine Pointe, dass die Legende auf einen römischen Konsul zurückgeht, der jemanden hinrichten ließ, um seinem Lustknaben ein Schauspiel zu bieten. Der Choreograph Laurent Hatat hat zuvor Didier Eribons “Rückkehr nach Reims” und “Im Herzen der Gewalt” von dessen Protegé Édouard Louis auf die Bühne gebracht. Zwei Autoren, die, neben dem Schwulsein und Foucault, Wilhelm Reichs sexualpolitische Diagnose des ‘Zwangs-charakters’ und eines ‘kollektiven Narzissmus’ als Kompensation sozialer Kränkung verbindet, um den Rechtsruck der neoliberalistisch Deklassierten zu erklären und ihre Verführbarkeit durch autokratische Versprechungen und Feindbilder. Die Bühnenmusik zu Foucault komponierte mit LAURENT PERNICE ein alter Bekannter, durch seine Releases auf Permis De Construire und im Spiel mit Palo Alto & Jacques Barbéri. Sie verklanglichten zuletzt Alain Damasios “Les Furtifs” als Lecture musicale mit dem Autor, und wie sie da die ‘Flüchtige’ genannten Phantome hörbar machen als Wesen aus Fleisch und Ton, die mit außergewöhnlicher Vitalität Steine, Abfälle, Tiere oder Pflanzen verstoffwechseln, um ihre unaufhörlichen Metamorphosen anzutreiben, ist eine offensichtliche Parallele zum Versuch, Foucaults utopisch-heterotopischen Begriff von Körper zu evozieren, der für Gustafsson vor Leben und Bewegung strotzt. Pernice mit Electronics, DOMINIQUE BEVEN an Klarinette, Tin Whistles, Bassblockflöten, Akkordeon, Okarinas, Saxonett und durchdringend geflöteter Moceño. Sie knüpfen dabei an ihre Bühnenerfahrung mit der Compagnie Artonik in Marseille an, für die sie, mit Nataraj XT, “Color of Time” rockten. Hier besteigen die beiden zu ‘Le Chant de la Terre (quel malheur est-il)’ die weißen Berge, die Marilyn Monroe gerne bei der Verfilmung des “Zauberbergs” gespielt hätte, und toben durch Wellentäler im mit Khen alarmierten ‘Charivari’ einer wilden Jagd. Ob forciert ‘A l’arrache’ oder – mit Hulusi – japanisch, sie schütteln in Kaskaden alles Äußerliche ab, fürs Toten- oder Feenreich genügt die bloße, schaudernde Haut. Und bei ‘Devant les murs de Troie’, hechelnd, martialisch trommelnd, mit Kontrabass und
Posaunensamples, Blockflöten und Bullroarer? Für ‘Une histoire calme pour finir’ bleibt danach nur der bittere Nachgeschmack einer Bassduduk-Elegie. Aus dem Nichts all diese Noten abseits der Norm, Dank ADN.

Rigobert Dittmann (Bad Alchemy 114)

 

 

 

ADN