Milusic – Death Of A Century

Während die Everywheres der Arty-Farty- & Academia-Blase Spielräume für “Bullshit und Emphase“ (Ann Cotten) auskosten und die Steuerzahler in Alternativen zur Demokratie abdriften, kratze ich mich an meiner Saurierschwarte und brüte über “Death Of A Century” (DNN 049 C), den Nachfolger zu “Dance Mystique“ (DNN 014 C, 2018) von Milusic. Das ist der bei Florenz lebende Roberto Migliussi, der Mitte der 80er, als auch BA anfing, das Magazin ‘Idola Tribus‘ publizierte und der Kenneth Grant, den Crowleyianer und Gründer des Typhonian O.T.O., den Sigillenmagier Austin Osman Spare und den Okkultisten, Gnostiker und Theosophen Michael Bertiaux ins Italienische vermittelte. Der Klangstoff, der nun vorliegt, entstand 2019-2022 per Synth, Drum Machine, Samples & Field Recording. Mit ‘Apopantos‘ klingt in sakralen Gesängen, Geschrei, Dadapoesie das magische “Apo pantos kakodaimonos“ [Weiche von allem Dämonischen] an. Geht da nochmal das Jh. zugrunde, an “20th century slavery“ (bei ‘Colonies‘)? Welche Beschwörung wird bei ‘Esperanza‘ gesungen? Wer keift und hext beim orgeligen ‘Ortensia Bistrot‘? Ist das Beat poetry durchs Telefon bei ‘Orange Soda‘? ‘Atlante‘ bringt zu Saxophon und Keysklang Kerouacs Haiku “The tree looks like a dog, barking at heaven“. ‘President U.S.A.‘ bringt W.S. Burroughs’ Sermon “I never wanted to be President“, ‘Hippies‘ einen Rant gegen die Scheiß Hippies, Jane Fonda, Joan Baez… ‘Anacleto‘? Eine junge Frau spricht durchs Telefon spanisch, ein Muezzin singt, das Meer raucht. Bei ‘Hermeto‘ ertönt Sufi-Gesang. Wer sind die ‘Morituri‘ – Assassinen? Selbstmordattentäter? Eine Tüpfelspur loopt zu verquollener Artikulation. Milusic endet mit theatralischem Europera-Kladderadatsch und Hugo Balls ‘Karawane’: …bumbalo bambam ja ssuboba / ba-umf / kusa gauma / ba-umf.

Rigobert Dittmann (Bad Alchemy 135)

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