Tungu & Hui-Chun Lin – Canvas on which it is impossible to paint
Sergey Senchuk aka Tungu, der auch mit Henry Kaiser und “The Unexplained“ bei Klanggalerie zu hören ist, setzt mit Canvas on which it is impossible to paint (DNN 047 C) das schon bei “Brain particles, which resist“ und “See, I hear, but I can’t describe it“ (beides auf Wormhole World) eingegangene Miteinander mit Hui-Chun Lin fort. Die aus Taiwan stammende Cellistin gehört mit “Discoveries” und als Spielgefährtin von Guilherme Rodrigues nicht nur beim Celloquartett Hunter Underwater zum Berliner Underground.
Klaus Kürvers, Ulf Mengersen, Matthias Müller oder Wolfgang Seidel, das spricht für sich und für sie. Im Fernverbund mit dem ukraineischen Klangkünstler entstanden sowohl dröhnambiente Shoegazer als auch Shapeshifter. Mit pingenden Glöckchen, Einsprengseln von Klavier und verhuschtem, stereophonisiertem Celloklang. Wobei das Cello schon auch seine brummigen und romantischen Möglichkeiten aufscheinen lässt. Zu einer Dunkelwelle und kurz auch Drum Machine flippert es zwischen zartbitter und wetzend. Kürzel, Legato, Feeling, von Beckenschlägen akzentuiert. Hinkender Automatenbeat, Pizzicato, ein repetiertes Zirpen und der ominöse Lidschlag eines Ameisenbären. Raue und feinkörnige Striche, elektronisches Glucksen, Trommelwirbelchen, twangende Kaskade, flirrende Oszillation. Malen kann Tungu vielleicht nicht in der bloßen Luft, aber wie er da Klänge collagiert, loopt, tupft – superb. Nochmal Pizzicato, tickende Sekunden, letzte Fürze, Drum Machine, cellistischer Trauerflor – erst makaber, dann rührend. Und zum besinnlichen Weißclown-Cello bei ‘One meter from a ball lightning‘ stoßen zuletzt Koichi Makigami als August und Ausbund vokaler Kuriositäten und knatternde Beatsalven.
Rigobert Dittmann (Bad Alchemy 135)
