Reviews – Musci/Venosta/Cutler – Vampyr and other stories

Released to celebrate their 30 years of collaboration, this limited edition release collects their earliest and latest works, the tracks lost when the two LPs were reissued on a single CD, and the entire live soundtrack performed, with Chris Cutler, to accompany Theodore Carl Dreyer’s Vampyr. ReR catalogue

“Vampyr – Der Traum des Allan Gray” des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer, trotzdem aber eine deutsch-französische Produktion, kam 1932 in die Kinos. Der Film hat die meisten Zuschauer und Kritiker damals wohl eher verwirrt. Obwohl die Stummfilmzeit eigentlich vorüber war, gibt es kaum Dialoge in dem Horrorstreifen um die seltsamen Erlebnisse des Studenten Allan Gray. Dafür steht die visuelle Komponente im Zentrum des Films, der durch spezielle Filtermethoden und Beleuchtungstechniken eine sehr eigenartige, mysteriös-unwirkliche Atmosphäre verströmt. Inzwischen gilt der Streifen als Klassiker des Genres, und als vielleicht einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Zumindest bei Zeitgenossen, die gespenstische Atmosphäre und subtiles Grauen in einem solchen Film schätzten. Wer herausquellende Gedärme, zerfleischende Monster und spinnert-messerschwingende Psychopaten in einem Horrorstreifen sucht, der wird “Vampyr” wohl unendlich langweilig finden.

1998 gaben Roberto Musci und Giovanni Venosta in Mailand ein Konzert, während dessen sie Dreyers Film aufführen ließen, und denselben mit eigener Musik begleiteten. Ein Kino-Konzert also, wie es z.B. die Kollegen von Art Zoyd des Öfteren im Angebot haben (von denen es übrigens auch einen “Soundtrack” zu “Vampyr” gibt). Begleitet wurden die beiden Italiener von keinem Geringeren als Chris Cutler, dessen Perkussion- und Schlagzeugspiel auch sehr prägende Spuren in der Musik hinterlassen hat.

2015 erschien das Ganze auf CD. Zu einer Suite von etwas über 55 Minuten haben Music und Venosta die Liveaufnahme zusammengeschnitten (der Film ist so um die 73 Minuten lang). Dazu haben sie noch etwas Bonusmaterial gepackt. Das ist einmal eine kurze Nummer namens “Woman in late”, die erste, 1985 entstandene gemeinsame Komposition der beiden. In der Tat steht da vorne auf dem Cover noch “30th Anniversary Edition”, was sich auf dieses kollaborative Jubiläum der beiden bezieht.

“Tales from Kiribati Island” war dagegen zum Erscheinungszeitpunkt der CD das gerade neueste Klangprodukt des Duos. Bei den restlichen Nummern handelt es sich schließlich um die Stücke der Alben “Desert Sand” und “Urban And Tribal Portraits”, die man wegen Platzmangels auf der Twofer-CD “Messages & Portraits” ausgespart hatte. Das Album heißt daher “Vampyr And Other Stories”, und wurde übrigens als Trioprojekt veröffentlicht (Roberto Musci, Giovanni Venosta, Chris Cutler – steht da auf dem Cover). Der Einfachheit halber, und weil der Großteil der Musik von den beiden Mailändern stammt, sei das Album aber den Interpreten Roberto Musci & Giovanni Venosta zugeordnet.

In einem kurzen Abriss der Historie des Duos gegen die beiden übrigens Holger Czukay als wichtige Inspirationsquelle, insbesondere für das Sampling an. Die kürzeren Nummern bieten daher eine Art von Ethnoelektronik, oder experimentelle Avantgarde-Worldmusik, die auch auf dem schon erwähnten “Messages & Portraits” zu finden ist. Ethnoschnipsel, elektronische Füllsel und allerlei akustische Instrumentaleinlagen verschmelzen zu dichten, sehr originellen Miniaturen, die jedem Freund von abenteuerlicher Elektronik sehr zusagen sollten.

Das gilt noch viel mehr für den “Vampyr”-Soundtrack. Der Worldmusic-Anteil ist hier allerdings deutlich reduziert worden (bis auf ein paar Momente mit mysteriös-grolllenden tibetanischen Mönchsgesängen), was der Musik aber sicher nicht zum Nachteil gereicht. Ein ausgesprochen klangvollen Tonmonument quillt da nämlich aus den Boxen, bestehend aus allerlei ausladenden und schallenden Klangkonstrukten, wabernden und hallenden Tastenmustern, mächtigen Elektronikgebirgen, und der vielseitigen Perkussion Cutlers. Eingewoben sind zudem diverse Samples, Geräuschfragmente, Sprachfetzen (aus dem Film) und Tonbandeinspielungen, ohne das (wie schon auf “Messages & Portraits”) die eigentlichen Erzeuger irgendwo genannt werden. Recht prominent tauscht da z.B. ein Ausschnitt aus Alfred Schnittkes Komposition “In Memoriam” auf (nach ca. 11 Minuten), ohne das diesem (oder dem Ensemble das das Stück aufgenommen hat) in irgendeiner Form im schriftlichen Begleitmaterial des Albums gedankt werden würde. Durch das Sampeln erlöscht offenbar das Urheberrecht.

Dem atemberaubenden Höreindruck tut das natürlich keinen Abbruch. “Vampyr” ist eines der dichtesten und intensivsten Stücke an Musik, die mir seit längerem unter die Ohren gekommen ist. Mysteriös, gespenstisch, hypnotisch, düster und ausgesprochen unkommerziell wird hier Klang vermengt und verwoben, sehr farbig und abwechslungsreich, gleichzeitig angeschrägt und frei, voluminös und ausgesprochen mächtig, ohne aber ins Lärmen zu verfallen. Beeindruckend.

Wer abenteuerliche Elektronikgemenge, und die schon erwähnten Soundtracks von Art Zoyd schätzt, der sollte “Vampyr And Other Stories” dringend sein Ohr leihen. Achim Breiling (Babyblaueseiten)

Au mitan des années 80, deux compositeurs milanais accouchèrent d’une réponse  au fameux disque de BRIAN ENO et DAVID BYRNE, My Life in the Bush of Ghosts. La formule consistant à plaquer les bribes d’enregistrements ethniques remarquables au centre d’un contexte sonore décalé. Et de générer par ces collages de saisissants tableaux sonores. Cette réédition du 30e anniversaire, révèle, entre autres inédits, la partition intégrale du film muet de THEODORE CARL DREYER, Vampyr à laquelle s’associe la batterie de CHRIS CUTLER. Vampyr and Other Stories s’inscrit aussi bien dans le prolongement d’une certaine musique concrète française (PIERRE HENRY, PIERRE SCHAEFFER), de la musique répétitive américaine (TERRY RILEY, STEVE REICH) que des expérimentations d’HOLGER CZUKAY tels que Movies (1979) ou Boat-Woman Song (1969) avec ROLF DAMMERS.  Orchestra Catalogue

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